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Ordnung

Unordnung ist nicht gleich Chaos

Seit mehr als zwanzig Jahren gebe ich Vorträge und Seminare zum Thema Putzen und Pflegen. Mit der Zeit wurde mir immer bewusster, dass das Mühevolle beim Putzen nicht das Putzen selbst ist, sondern die vorher zu beseitigende Unordnung. Ohne dass wir zuerst aufräumen, können wir ja gar nicht putzen!

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Wann aber ist etwas in Ordnung? Ordnung ist zumindest etwas, das sehnlich gewollt wird und doch für viele unerreichbar bleibt.

Hören wir einmal auf unsere Alltagssprache:

Die Welt ist in Ordnung.

Es hat alles seine Ordnung.

Göttliche Ordnung.

Natürliche Ordnung.

Kosmische Ordnung.

Oder: Ein kleines Kind kommt vertrauensvoll zu Mutter oder Vater mit der Bitte, etwas, das kaputt gegangen ist, wieder in Ordnung zu bringen.

Bei der ersten Putzfachtagung am Goetheanum im Jahr 2004 sagte einer der Referenten[1] Folgendes: Ordnen ist ein zutiefst schöpferisches Tun und hierin dem künstlerischen Schaffen gleichzusetzen, vielleicht ist es sogar als die ursprünglichste aller künstlerischen Gesten einzustufen.

Vielleicht ist es auch hilfreich, mit der Frage danach zu beginnen, was Unordnung eigentlich ist. Wie entsteht sie überhaupt?

Im Haushalt verwechseln wir häufig die Begriffe Chaos und Unordnung. In unserer Alltagssprache hat Ordnung mehr mit Regelmäßigkeit und Übersichtlichkeit zu tun. Ich nenne ein Zimmer ordentlich, wenn alles an seinem Platz ist und ich mich mühelos darin orientieren und zurechtfinden kann. Sobald ich aber in einem Zimmer zu arbeiten, zu kochen beginne, oder die Kinder zu spielen anfangen, geht die Ordnung sehr bald in Unordnung über. Ordnung hat offenbar die Eigenschaft, immer wie von selbst in Unordnung überzugehen – nie (!) ist das Umgekehrte der Fall. Soll sich wieder Ordnung einstellen, so muss ich bewusst ordnend von außen eingreifen. Ordnung kommt niemals von selbst zustande.

In der Schöpfungsgeschichte der Kabbala steht, dass das Allgottwesen sich selbst zurücknahm und so die Leere entstehen ließ. Aus dem in der Leere entstandenen Chaos wurde dann die Welt erschaffen.

In unserem Haushalts- oder Arbeitsalltag stehen wir oft genug einem Chaos gegenüber. Bereits in den endlosen Möglichkeiten, die sich in der Gestaltung unseres Alltags bieten, begegnen wir dem Chaos.

Schöpferisch sein, ist das größte Glück, das ein Mensch empfinden kann. Warum? Weil er sich im Schaffen dem Wesen Gottes selbst nähert. Gott ist der Schöpfer und der nach seinem Bilde geschaffene Mensch kann selbst auch Schöpfer sein. Natürlich geht es nicht darum, die menschlichen Schöpfungen mit der göttlichen Schöpfung zu vergleichen; es geht um die Betonung der Wahrheit, dass das Glück in der schöpferischen Aktivität liegt und dass in diesem Sinne die Künstler diejenigen sind, die die größten Glücksgefühle empfinden. Ihr fragt: Und was ist mit den Mystikern und Gelehrten? In dem Maße, wie auch sie Schöpfer sein können, empfinden sie das gleiche Glück wie die Künstler. Wendet jetzt bitte nicht ein, ihr hättet gequälte und unglückliche Künstler getroffen. Wenn ich vom Glück des Künstlers spreche, meine ich den Moment, in dem er kreativ ist, den schöpferischen Akt, in dem der Künstler in der Fülle lebt; und unter Künstler kann auch jeder Mensch verstanden werden, der im Begriff ist, schöpferisch zu sein.[2]

Auch vor einem Wohnungsumzug entsteht oftmals ein Zustand des Chaos. Nach dem Umzug ergibt sich die Gelegenheit, in einem kreativen Akt aus dem undifferenzierten Chaos heraus eine neue Ordnung zu gestalten. Es ist ein realer Schöpfungsakt. Hier haben wir jetzt die Gelegenheit, zu entscheiden, an der Stelle gezielt gestaltend und ordnend einzugreifen, wo Form- und Regellosigkeit vorliegen.

Je schwieriger es dabei wird, sich zu entscheiden, was nicht mehr gebraucht wird, oder wo eigentlich mit dem Einräumen begonnen werden soll, desto deutlicher tritt hervor, dass Unordnung auch eine Form von Entscheidungsschwäche ist. Einigen Menschen fällt es leicht, Ordnung zu halten. Andere wiederum haben damit große Mühe – sie fühlen sich überfordert, sind dadurch erschöpft, ja manche treibt es schier zur Verzweiflung.

Einsamkeit

In meiner Putztätigkeit konnte ich oft feststellen, dass mit dem Chaos ein schreckliches Gefühl von extremer Einsamkeit einhergehen kann. Eine so große Einsamkeit, dass Menschen versuchen, sie mit allerlei geschäftigem Getriebe oder mit Dingen, die sie anhäufen, zu verdecken.

Bei Jugendlichen kann man zum Beispiel ein Schild an der Schlafzimmertür antreffen: Wegen Umbau geschlossen – bitte nicht eintreten. Jugendliche fühlen sich manchmal unendlich allein in ihrer Welt. Dieses abgrundtiefe Gefühl der Einsamkeit können sie oft nicht einmal gegenüber Gleichaltrigen zum Ausdruck bringen.

Ein fünfzehnjähriges Mädchen erzählte mir einmal, wie sie gerade in diesem Chaoszustand der Selbstsuche keine Lust mehr hatte, ihr Zimmer aufzuräumen oder ihr Bett zu machen. Sie hatte das Gefühl, in ein inneres schwarzes Loch zu fallen, das alles in sich aufsaugte. Und so brauchte sie Abstand zu allem, was ihr dieses Gefühl zu allem Verdruss auch noch spiegelte.

Zum Jugendalter gehört es auch, einmal auszuprobieren, wie es ist, im totalen Chaos zu leben. Zum Unabhängig-Werden, zum Finden der eigenen Individualität gehört es dazu, dieses Ausprobieren – und auch, von sich aus wieder bestimmte Regeln anzunehmen. Jugendliche wollen verschiedene Ordnungssysteme testen; müssen aber auch versuchen, sich von ihren Eltern abzugrenzen. Manchmal machen sie sogar genau das Gegenteil dessen, was sie von den Eltern gelernt haben, zum Beispiel lassen sie die schmutzigen Kleider auf dem Boden liegen, bis sie sie waschen müssen die Mutter sie entnervt wäscht. Oder ihr gebrauchtes Geschirr stapelt sich, bis sie kein sauberes Stück mehr finden. Sobald sie aber in ihrer eigenen Wohnung leben, können sie das alles auf einmal wieder sehr gut.

Jugendliche benötigen Zeit für all ihre Aufgaben und Hausaufgaben: Musizierenüben, Sporttreiben, Aufräumen. Bekommen sie die Möglichkeit, selbst zu lernen, die Zeit, die sie für all das benötigen, richtig einzuschätzen, so besteht für sie später ein geringeres Risiko, dauerhaft unordentlich zu werden. Anderseits kann jedoch eine zu frühe Verselbstständigung des jungen Menschen für ihn eine Überforderungssituation darstellen, die später durch räumliche und/oder zeitliche Unordnung zu Tage tritt.

Auch braucht der Jugendliche ein Gleichgewicht zwischen innen und außen, er muss lernen, seine Zeit zwischen Discobesuchen, Festen, Schularbeit, Sport und Erholung geschickt einzuteilen. Manchmal fehlen dann allerdings Zeit und Energie für Aufräum- und Putzaktionen. Machen dann die Eltern in einer solchen Situation zu viel Druck, dann kann das zu Protest, vielleicht sogar zur Rebellion führen.

Ebenso kann bei Kindern und Jugendlichen eine gewisse Unordnung auch durch ein Zuviel entstehen: Bei kleineren Kindern können zu viele Spielsachen auch zur Überforderung führen. Zu viel Spielzeug schränkt auch die Phantasie des Kindes ein und könnte es dazu verleiten, sich nicht genügend mit einer Tätigkeit zu verbinden, weil es immer von einem Spielzeug zum anderen wechselt.

Das natürliche Kräftemessen im Jugendalter wird heute ersetzt durch den Vergleich dessen, was sie besitzen. Früher wollten sie wissen, wer am schnellsten laufen, am besten ringen kann – heute wird eher darauf geachtet, wer die teuerste Markenkleidung, das neueste Mobiltelefon oder andere spannende elektronische Geräte besitzt. Auch das führt zu Unordnung.

Überforderung

Unordnung tritt eben meistens auf, wenn zu viel von etwas vorhanden ist. Und so geschieht es auch bei einer Überforderung, auch da ist es immer zu viel. Überforderung ist letztlich eben nichts anders als eine Art der Unordnung! Sie liegt dann vor, wenn Sachen sich an Orten befinden oder auftauchen, wo sie eigentlich nicht hingehören. Wir lassen einfach etwas liegen, bringen das nicht zu Ende, was wir begonnen haben, wir verschieben etwas zum x-ten Male auf morgen. Oder auch: Wir horten Dinge, können uns von nichts mehr trennen. Alles, was man sich selbst überlässt, wird zu Chaos. Jede Überforderung führt zu Unzufriedenheit und Frustration – was oft das ganze Familienleben auflösen und zerstören kann. Sobald wir selbst überfordert sind, haben wir die Tendenz, auch andere Menschen um uns herum zu überfordern. Aber es gibt nur eine einzige Person auf dieser Welt, die mich überfordern kann, und das bin ich selbst. Ich selbst bin die Ursache meiner Kraftlosigkeit, die etwa dadurch entsteht, dass ich schon wieder einmal etwas tue, was ich eigentlich nicht tun wollte. Oder: Wir hetzen von einem Ort zum anderen, von Auftrag zu Auftrag, und sind dann erstaunt, wenn wir uns zufällig verletzen, wenn uns Sachen kaputt gehen oder wir gar in Unfälle verwickelt werden.

Wer sich von allen möglichen widersprüchlichen Gedanken und Wünschen durchströmen lässt, unterhält eine innere Unordnung und darf sich nicht wundern, wenn er sich nicht mehr zurechtfindet. Wie viele Leute klagen: Ich weiß nicht mehr, wo ich stehe, wo mir der Kopf steht! Warum ist das so? Weil sie zu viele verschiedene Dinge gewünscht und angesammelt haben. Und jetzt stecken sie bis zum Hals, bis über den Kopf in Komplikationen.

Woher erhält der Diamant seine Reinheit? Von der Tatsache, dass er unvermischter, reiner Kohlenstoff ist. Fügt man ihm ein anderes Element hinzu, so ist er kein Diamant mehr. [Aber er entsteht auch – und vor allem – weil er einem enormen Druck und extremer Temperatur ausgesetzt war. Daher Frage: Passt das Beispiel hier??] Reinheit kann man auf unterschiedliche Weise betrachten. Am besten passt vielleicht der Vergleich mit der Einfachheit. Reinheit ist immer unkompliziert, klar und einfach, keine Mischung von Dingen, die gegen ihre Natur wäre, ihre Funktion beeinträchtigen oder ihre Harmonie stören würde. Nehmen wir als Beispiel einmal den menschlichen physisch-seelischen Leib, weil man nicht notwendigerweise nur auf den moralischen, ethischen Aspekt der Reinheit zu schauen braucht, um sie zu verstehen. Reinheit gehört auf jede Ebene. Reinheit bringt dem physischen Körper Gesundheit; dem Herzen Gefühle von Glück und Freude; dem Willen bringt sie die Kraft zu handeln; dem Verstand Licht und Verständnis. Wer alles kosten, berühren, ausprobieren und kennenlernen will, wird wie ein trüber, undurchsichtiger Stein.

Der erste Schritt aus der Überforderung ist oft der erste Schritt in die Pflege, in die Herstellung von Ordnung. Wir kennen es alle: Wie gut tut es, ganz ruhig und gelassen irgendwo mit dem Aufräumen und mit dem Schönmachen zu beginnen. Das Aufräumen wirkt dann wie eine Kunsttherapie, in welcher der Genesende selbst aktiv wird und somit seine Heilung eigenständig unterstützt. Manchmal hilft es sogar, nur die Handtasche auszuräumen und alles zu entsorgen, was nicht dort hineingehört. Objekt unserer Selbsttherapie kann auch ein Kleiderschrank oder die Schublade mit den Rechnungen und Korrespondenzen sein … oder, oder, oder.

Verführung

Überforderung ist oft die Folge einer Verführung, vielleicht auch eine versteckte Form von Hochmut: der Glaube nämlich, dass wir mehr tun könnten, als was uns wirklich möglich ist; ein vielleicht unbewusstes Gefühl der Unfehlbarkeit, der Unersetzlichkeit. Die Genesis im Alten Testament beschreibt Folgendes[3]:

Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.

Weil etwas getan wurde, brauchte selbst Gott den nötigen Abstand, die Ruhe zur Besinnung, die Rückschau auf das Vollbrachte. Wir Menschen glauben aber oft, wir hätten unbegrenzte Kapazitäten, unerschöpfliche Zeit und Kraft.

In der jüdischen und christlichen Tradition ist von Luzifer, dem Engel des Lichts, die Rede, der sich Gott gleich stellen wollte und deshalb vom Erzengel Michael aus dem Himmel vertrieben wurde. Als gefallener Engel versucht Luzifer seitdem, den Menschen zu verführen, indem er ihm weiszumachen sucht, der Mensch sei Gott gleich und allem Irdischen überlegen.

In der persischen Überlieferung begegnen wir Ahriman, dem Geist der Finsternis – dem Widersacher Ahura Mazdaos, des Lichtgottes. Ahriman verneint alles Göttliche und versucht, den Menschen fest an das Irdische zu binden, den Menschen vom Licht und dem Göttlichen zu trennen.

Zwischen diesen beiden Widersachermächten ringt der Mensch ständig um das Gleichgewicht. Die luziferische Kraft führt den Menschen von der Form des Irdischen weg, versucht, ihn von allen Pflichten zu befreien. Die ahrimanische Kraft hingegen zwingt den Menschen in eine Form hinein, bindet ihn fest. Etwas kann ins totale Chaos geraten oder in sterile Ordnung übergehen. In beiden Fällen sind wir aus dem Gleichgewicht; und beide Fälle führen in die Einsamkeit, in die soziale Isolation.

Nur ich selbst kann beurteilen, ob ich meinen Aufgaben gewachsen bin, meine Arbeit gut mache oder nicht. Weshalb tue ich dieses und lasse jenes? Weil ich jetzt tatsächlich keine Zeit habe und es mir bewusst für morgen vornehme? Mache ich es husch-husch oder vielleicht sogar überhaupt nicht, weil es ja sowieso niemand bemerken wird?

Zu verzweifeln und sich zu sagen, Es ist wie es ist, das ist auch nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist all das, was aus der eigenen Initiative hervorgeht. Ahriman will den Menschen von dem eigenen, freien Tun abhalten. Luzifer will den Menschen zu immer weiteren Initiativen verführen, ohne Rücksicht auf die Umwelt und das soziale Umfeld. Immer neue Initiativen, damit die begonnenen bloß nicht zu Ende geführt werden können und müssen.

Es ist sehr wichtig, dass wir lernen, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, welche Kraft einen gerade verführen will, weshalb bestimmte Entscheidungen getroffen werden, was getan und was eher unterlassen wird – und warum.

Etwas zu Ende bringen wollen

Viele Menschen haben vielleicht einmal erlebt, wie ein Familienmitglied oder jemand aus dem Bekanntenkreis plötzlich ganz emsig versuchte, alles in Ordnung zu bringen. Briefe werden geschrieben, Rechnungen bezahlt, die Ehefrau wird in die büromäßigen Aufgaben eingeführt, die sie bis jetzt noch nie zu erledigen hatte. Oder eine Freundin backt unvorhergesehen einen Kuchen für die Nachbarin, mit der sie zerstritten war. Die Umwelt ist erstaunt – und versteht all das erst dann, wenn der oder die Betreffende unerwartet verstirbt. Es ist in Urbedürfnis nach Ordnung, das hier auftritt, bevor „die große Reise” angetreten wird.

Mehrmals habe ich erlebt, dass jemand solange nicht sterben konnte, als eine Sache, die ihm wichtig war, nicht in Ordnung gebracht worden war. Einmal besuchte ich eine Wohngemeinschaft über mehrere Tage, um dort mit verschiedenen Gruppen von Menschen praktisch zu arbeiten. Beim ersten Einsatz erschienen zwei Herren, die mir mitteilten, dass sie überhaupt kein Interesse am Putzen hätten und somit an keiner der Arbeitseinheiten teilnehmen würden. Ich versicherte ihnen, dass die Teilnahme selbstverständlich vollkommen freiwillig sei.

Für den Abschluss meines Besuches hatten wir vereinbart, am letzen Abend um 19 Uhr ein Gespräch im kleinen Kreis zu führen, für Menschen, die noch besondere Fragen zum Thema hätten.

Am letzten Nachmittag war unsere Aufgabe, die Gemeinschaftsküche zu reinigen, da für den Abend kein Essen vorbereitet werden musste. Kaum hatten wir jedoch mit unserer Arbeit begonnen, da erschienen die beiden Herren vom ersten Tag: Sie wollten jetzt doch noch etwas helfen. Sie schauten sich in der Küche um und meinten spontan, dass sie gerne den Backofen reinigen wollten. Ich erklärte ihnen genau, wie sie vorzugehen hätten. Mit großer Freude machten sie sich an die Arbeit. Bald fingen sie an, lauthals und aus voller Kehle zu singen. Gegen achtzehn Uhr wollten wir mit unserer Arbeit fertig sein, damit wir noch an dem abschließenden Gespräch teilnehmen konnten. Die beiden Herren bestanden jedoch darauf, ihre Arbeit noch zu Ende zu führen und versprachen, die Reinigungsutensilien anschließend bei mir abzugeben.

Kurz vor 19 Uhr saßen wir in einem kleinen Saal im Kreis, als die beiden Herren strahlend die Utensilien mit den Worten abgaben: Der Backofen ist jetzt wieder fast wie neu! In diesem Moment erschien der in der Einrichtung tätige Arzt, der ebenfalls an der abschließenden Gesprächsrunde teilnehmen wollte, und bat uns, doch noch kurz zu warten. Herr X sei gerade in diesem Moment verstorben, und er habe noch kurz einiges zu organisieren.

Die Anwesenden benutzten diese Wartezeit dazu, ein wenig auf das Leben des Verstorbenen zurückzublicken. Dabei erfuhr ich, dass er vor vielen Jahren die Reinigung des Backofens zu seiner persönlichen Aufgabe gemacht hatte und sie immer getreulich ausführte. Jedoch war er nach einem Unfall seit einigen Monaten bettlägerig und fragte immer wieder nach, wer sich jetzt wohl um den Backofen kümmern würde und ob dieser überhaupt sauber sei. Jede Woche hatte er an diesem Wochentag den Backofen gereinigt und bei dieser Arbeit immer herzhaft gesungen.

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[1] Berti, Daniel: Handbuch zur Putzfachtagung 2004, Sektion für Sozialwissenschaften.

[2] Aivanhov, Omraam Mikhael: Gedanken für den Tag, Rottweil 2009.

[3] Die Bibel, Altes Testament, Genesis 2,2/3.

Über

Linda Thomas

Linda Thomas entwickelte eine Arbeitsphilosophie, die das Putzen in Pflegen verwandeln kann und setzte einen deutlichen Impuls für eine Umwandlung im Denken und Handeln, sowie für ein erweitertes Selbstverständnis der Haushaltungstätigkeit.

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